RAFENA, Robotron und die Wende

EDVA R300
1965 Entwicklung und Fertigung von Fernsehempfängern und Richtfunkanlagen sind die Hauptgeschäftsfelder des Betriebes. Die Erfolg versprechenden Entwicklungen auf dem Gebiet der Farbfernsehempfangsgeräte werden eingestellt. Die DDR-Regierung fasst den Beschluss, das Werk zum Fertigungsbetrieb für in der DDR entwickelte Elektronische Datenverarbeitungsanlagen umzustellen.
1967 Die Inbetriebnahme von fünf Fertigungsmustern der EDVA R300 bildet die Kernaufgabe im Werk Radeberg. Große Teile des Werkes werden umgestaltet.
1968 Die Produktion von Fernsehempfängern wird eingestellt, nachdem insgesamt 2,65 Mio Geräte hergestellt wurden. Damit ist der VEB Fernsehgerätewerk Stassfurt Alleinhersteller von Fernsehempfängern in der DDR. Der Betrieb Radeberg wird für die Serienproduktion der EDVA eingerichtet, es werden im ersten Jahr 22 Anlagen R300 gefertigt.
1969 Gründung des VEB Kombinat Robotron, das Werk Radeberg ist zunächst Stammbetrieb und erhält den Namen VEB Robotron-Elektronik Radeberg. Die Entwicklung Richtfunktechnik wird dem Institut für Nachrichtentechnik unterstellt, die Gerätefertigung verbleibt im Betrieb.
1972 Die Produktion der R300 läuft nach der Fertigung von 350 Anlagen aus. Der Betrieb verliert seine Führungsposition auf dem Gebiet der Fertigung von Großrechenanlagen an den neu errichteten VEB Robotron-Elektronik Dresden und fertigt in der Folgezeit Prozess- und Kleinrechnersysteme. Besondere Aufmerksamkeit gilt bis 1985 der Entwicklung und Fertigung von Datenfernverarbeitungs- und Mikrorechnersystemen sowie von Vermittlungsrechnern für die Postverwaltung der UdSSR, mehr im Themenkreis Datentechnik >>>>>>

Auf der Grundlage des noch weitgehend vorhandenen fachlichen Potenzials auf dem Gebiet der Fernsehtechnik erfolgt die Wiederaufnahme der Entwicklung von Erzeugnissen der Konsumgüterelektronik, mehr im Themenkreis Fernsehgeräte >>>>>>
1974 Es werden zunächst einfache Rundfunkempfänger und ab 1975 auch Schwarzweiß-Kofferfernseh­empfänger hergestellt. In die Fertigung von Rundfunkgeräten werden später auch andere Betriebe des Kombinates einbezogen.
1976 Die Entwicklung Richtfunktechnik wird wieder in den Betrieb eingegliedert. Es gibt damit die drei Geschäftsfelder Datentechnik, Richtfunktechnik und Konsumgüter.
1982 10.000 Farbfernsehgeräte mit 42cm Bildschirmdiagonale werden gefertigt. In den folgenden Jahren wird der Anteil der Fernsehgerätefertigung an der Gesamtproduktion größer als 50%.
1985 Der Aufbau eines neuen Betriebsteils Spezialtechnik zur Entwicklung und Fertigung militärischer Erzeugnisse für die UdSSR mit hoher Geheimhaltungsstufe führt zur Auflösung des bisherigen Entwicklungsbereichs Datentechnik. mehr >>>
1987 Das Entwurfs- und Kleinfertigungszentrum Hybridtechnologie (EKfZ) nimmt im ehemaligen Wareneingangsgebäde den Betrieb auf, mehr >>>
1989 Die Arbeiten an den Themen des Betriebsteils Spezialtechnik werden im Mai 1989 wieder eingestellt, ohne im Sinne einer Produktion wirksam geworden zu sein. Im November wirken die politische Veränderungen der Wende in der DDR auch in den Betrieb hinein. Die Belegschaft umfasst ca. 4200 Mitarbeiter.
1990 Stornierungen von Aufträgen der Datentechnik am Jahresanfang führen zur Einstellung dieses Produktionszweiges, nur das Erzeugnis ENSAD wird weiterhin produziert. Ab 01.07.1990 firmiert der Betrieb unter Robotron-Telecom GmbH i.G.. Eine Sanierungskonzeption nach den Vorgaben der Treuhandanstalt wird schrittweise umgesetzt. Es wird eine Entwicklungskooperation mit ANT Backnang vereinbart, ein Joint Venture ist geplant.
1991 Auf Forderung der Treuhandanstalt wird die Gesamtvollstreckung am 14.Januar eröffnet. Die Produktion von Fernsehgeräten wird zunächst fortgesetzt und zum Jahresende eingestellt.

Die neu gegründete ANT Nachrichtentechnik Radeberg GmbH erwirbt ca. 30% der Betriebsfläche einschließlich der Gebäude und eröffnet zum 1.April den Geschäftsbetrieb mit mehr als 600 übernommenen Mitarbeitern, mehr >>>

Damit beginnt die etappenweise Auflösung des Betriebes. Weitere 10 Teilflächen (ca. 50%) des unmittelbaren Betriebsgeländes einschließlich der Gebäude gelangen zum Verkauf. Ein Eigentümerwechsel erfolgt auch für Objekte innerhalb und außerhalb von Radeberg. Diese Vorgänge ziehen sich zum Teil über mehrere Jahre hin, mehr >>>
1993 Gründung der Entwicklungsgesellschaft Gewerbepark Heidestraße (EGH) auf dem verbliebenen ca. 50% des ehemaligen Betriebsgeländes, mehr >>>

lageplan 1989

Die folgenden Ausarbeitungen, aufrufbar als PDF-Dateien, beschäftigen sich mit diesem Zeitabschnitt:

[Grafik]

Bertram Greve: VEB Robotron-Elektronik Radeberg 1989
nachgezeichneter Lageplan, das Bild oben ist ein Ausschnitt daraus.
Der nördliche Zugang zum Gelände liegt bei 51.10906, 13.90461.
[Grafik]

Werner Thote: Rafena, Robotron und die Wende 1965 bis 1993
Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte Heft 05 August 2007 (3 MByte)
[Grafik]

Bernd Rieprich: Der VEB Robotron Elektronik in der "Wendezeit"
Beiträge zur Radeberger Industriegeschichte; Heft 06/2009 (4 MByte)


Inhaltliche Bearbeitung:
AG_FESARAROB.DE

Bild links: Speisehaus Neubau 1969

Letzte Aktualisierung: 02.10.2016

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